Jonathan Jeremiah - We Come Alive
Der 1980 geborene Jonathan Jeremiah stammt aus London. Nach einem kurzen USA-Aufenthalt startete er, zurück in Großbritannien, seine Laufbahn als Singer/Songwriter. 2010 war das wichtige Jahr für den Künstler, als er einen Plattenvertrag mit Island Records unterzeichnete, mit dem Ergebnis eines ersten Albums, “A Solitary Man“(2011). Es folgten "Good Day" und "Horsepower For The Streets" . Und nun erschien ein weiteres Album, "We Come Alive".
Von Beginn an fühle ich mich förmlich hineingezogen in diese so wunderbar ausgestattete Stimmung, warm „plüschig“, und spontan lande ich gedanklich auch bei einigen Songs von Nick Drake. „Here With Me“, welch ein herrliches Arrangement, Streicher, ein Chor, das Bläserarrangement, diese so sich einschleichende Stimme, das ist ganz großes Kino! Als hätte man vom Besten vieler Songs das Beste herausgepickt und hier zusammengefügt.
Mit „Kolkata Bear“ wird es nun etwas flotter, und man bemerkt rasch, wie sich des Protagonisten Stimme noch mehr gefestigt und noch mehr an Ausdruck gewonnen hat innerhalb des Bariton-Umfelds. Ja, zwei Songs und ich schwelge bereits in einem Meer von einer Art Glückseligkeit, was bleibt mir übrig angesichts dieser ungeheuren Eleganz, eine Eleganz, die mich weit zurückträgt in ähnlich arrangierte Musik der Sechziger, allen voran von solchen Bands wie The Walker Brothers. Jonathan Jeremiah scheint sich zu einem festen Posten, zu einem Klassiker der Jetztzeit, zu etablieren! Spannung, Intimität, höchste Güte der Arrangement, ein brillanter Vortrag, immer wieder Rückschlüsse hin zu früheren Zeiten, „Love(r)“ mit diesem knackigen Bass, der in den Sixties bei ähnlich angelegten Produktionen ein Markenzeichen war.
„The Suntrap“ durchbricht die Ruhe ein wenig, es wird flotter, und so bemerke ich rasch, und noch zunehmend beim weiteren Hören, wie man sich der Musikhistorie bedient hat, ohne auch nur irgendetwas kopieren zu wollen. Das ist hochgradig wertvolle Popmusik auf höchstem Niveau. Und das ist mit Sicherheit keine Musik, die rasch verpufft, nein, das „klebt“ und bleibt kleben. Allein die Instrumentierung lässt aufhorchen, so werden auch Blasinstrumente eingesetzt, man sollte in diesem Zusammenhang auf den Titelsong hinweisen, ist es doch Til Brönner, der hier ein einfühlsames Solo mit der Trompete beisteuert.
Eigentlich könnte man zu jedem einzelnen Song etwas Positives berichten, doch empfiehlt es sich hier, diese gesamtheitliche Einheit der Eleganz einwirken zu lassen, denn nicht Jede/r wird sich möglicherweise damit identifizieren können, was der Protagonist hier mit We Come Alive vorlegt. Wer jedoch auf Musik der Walker Brothers, von Scott und John Walker steht, oder dem einen oder anderen französischem Chansonnier nahesteht, sollte hier ins Verzücken geraten. So etwas wünschte ich mir innerhalb üblicher Radioprogramme tagsüber zu hören.
Wie ich las, haben die Songs einen entsprechenden Hintergrund. So soll der Protagonist den Tod seines Vaters, Fragen nach Zugehörigkeit, Herkunft und Identität verarbeitet haben, ja, das ist nachvollziehbar. Wer möchte, kann sich hierzu gerne der im Booklet beigefügten Texte bedienen.
Jonathan Jeremiah (vocals, acousticguitar, vibraphone)
Ruben Samana ((piano, percussion, cimbalom, backing vocals)
David Page (electric bass, guitars)
Tom Mason (double bass)
Joe Glossop (dulcitone, Fender Rhodes, Hammond Organ)
Billy Skinner (drums)
Shawn Lee (drums)
Laura Jurd (trumpet, cornet, flugelhorn)
Stephen Mathers (saxophone)
Phil Jordan (acoustic guitar)
Hanna Nicholson Page (backing vocals, vibraphone)
Phoenix Dawson (backing vocals)
Rosaria Dawson (backing vocals)
Til Brönner (trumpet solo - #7)
Budapest Scoring Orchestra (strings)
Amy May, Phillip Granell, Damiano Pascarelli (string arrangements)
1 Here With Me
2 Kolkata Bear
3 Love(r)
4 The Suntrap
5 Howling
6 There's No Stopping Me
7 We Come Alive (with Till Brönner)
8 How Can I Shake You Out Of My Mind?
9.Counting Down The Days
10 Lorraine And The Mermaid
11 Lush
https://www.jonathanjeremiah.co.uk/