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 Betreff des Beitrags: Meet Citizen K - Somewhere Up North
BeitragVerfasst: Do 14. Jan 2016, 12:57 
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Registriert: Di 31. Aug 2010, 11:05
Beiträge: 1202
Meet Citizen K - Somewhere Up North

Skandinavien hat sich in den letzten Jahren als wahrer Quell interessanter Musik offenbart. Ist mir das aus dem Jazz bereits seit einigen Jahrzehnten bekannt, so werden nach und nach auch verstärkt Stimmen aus anderen Musikstilen laut, die aufzeigen, welche Musik abseits bekannter Normen dort doch entsteht.
So verhält es sich auch im Falle des Multiinstrumentalisten Klas Qvist alias Citizen K.

Und so geht es los:
Wasserrauschen... dazu gesellt sich eine verloren klingende Trompete, umrahmt von Keyboardsprenkeln, die dann Platz machen für eine gezupfte akustische Gitarre.
Die Trompete verstummt, Klas Qvist singt - und das verdammt gut, eine 'Pump Organ' gesellt sich dazu und die Melancholie ist in vollem Gange.

Wenn ich dann dazu aus dem Fenster schaue und sehe, wie sich die letzten Strahlen einer untergehenden Sonne mit dunklen Regenwolken vermengen und der Wind bunte Blätter durch die Luft wirbelt, ist es um mich geschehen... Nun auch noch die Harmony Vocals... als hätte Brian Wilson sie arrangiert und eingespielt.
Ja, "For Citizen A", der Opener, geht schon sehr 'an die Nieren', bis sich nahtlos der nächste Song, mit viel 'acoustic guitar strumming' den Weg bahnt und "That Same Old Sun" mit einem wuchtigen Arrangement gut an Fahrt aufnimmt. Irgendetwas erinnert mich gleich zu Beginn des Songs an The Who bzw. Pete Townshend.

Und überhaupt scheinen die Musiker, oder 'der' Musiker, denn Qvist hat das Werk fast im Alleingang eingespielt, viel zugeschaut zu haben in der Welt der Beatles und der Beach Boys. Es gibt viele Reminiszenzen an die Sechziger, ohne dass sich der Eindruck aufdrängt, hier wären Plagiate entstanden.

Bereits jetzt ist diese Platte mit Sicherheit in der Liste meiner persönlichen Top 10 des laufenden Jahres! Was soll nun noch kommen, diesen umwerfenden Eindruck zu zerstören?
Oder ist das ganz einfach nur 'heiße Luft'???
Ich werde ein 'zweites Ohr' riskieren.

Track vier, "The World Turns Without Me", 'Beach Boys meet Phil Spector'?????
Wie auch immer, brillante und wuchtige Popmusik, wie ich sie gern in den Charts hätte. Ich erinnere mich, daß solche guten Arrangements zu 'meinen guten alten Hitparadenzeiten' in den Sechzigern öfter zu finden waren. Ich gönne Herrn Qvist diesen Erfolg von Herzen, hat er sich doch sehr viel Mühe gegeben.

Doch, »Mühe allein genügt nicht«, so ein Teil eines alten Kaffee-Werbespruchs, und der schwedische Musiker und seine Mitstreiter verstehen es, diese Mühe auch so umzusetzen, dass alles professionell und sehr unangestrengt harmonisch klingt, hier ist kein verzweifeltes Bemühen zu spüren, hier läuft alles rund.

Aufgenommen wurde in Schweden zwischen dem 25.5.2007 und dem 17.7.2009.
Die Musik ist eine bunte Mischung aus Pop mit psychedelischen Ansätzen, in eine teilweise märchenhafte Atmosphäre getaucht. Ein wirklich außergewöhnliches Album, das bald in aller Munde und in den Charts sein sollte. Ich will gern mit meiner begründet euphorischen Rezension dazu beitragen!
Diese Musik war, obwohl in ihren Quellen stark in den Sechzigern verwurzelt, auch in den Siebzigern zu hören. Mir fällt da ganz spontan ein gewisser Andrew Gold ein.(kennt ihn und sein "Thank You For Being A Friend" denn überhaupt noch jemand???). Auch er und einige Zeitgenossen hatten zu jener Zeit die Gabe und Fähigkeit, eingängige und hochwertige Popmusik mit Hooklines und hohem Wiedererkennungswert abzuliefern.

Wenn man genau zuhört, entwickeln sich in jedem Song einige feine Nuancen, die trotz der durchgängigen Stimmung zu Unterscheidungen führen, und das macht einen guten Songschreiber für mich aus.
Zwischendurch zieht es dann uptempomäßig an. So auf "Practically Over Now", wo etwas locker gerockt wird, um dann mit einer feenhaften Flöteneinleitung, umrahmt von zwitschernden Vögelein, unvermittelt in das wunderschöne, mit Akkordeon ausgeschmückte "Inbetweener" überzugehen.

Überhaupt ist es wirklich gut gemacht, wie die Titel ineinander überfließen, das Gefühl einer schönen Suite entsteht dadurch. Und immer wieder fällt mir diese angenehme Stimme auf, manchmal auch an Al Stewart("Year Of The Cat") erinnernd.

Ach ja, noch etwas zu Klas Qvist:
Wenn man dem Pressetext Glauben schenken kann, hatte seine Mutter Mitte der 60er Jahre gleichzeitig mehrere kurze Verhältnisse mit folgenden Musikern:
George Harrison, Brian Jones, Syd Barrett, Keith Moon, Dennis Wilson, Gene Clark,
John Phillips und Frank Zappa.
Und - siehe da, neun Monate später, genau am 4.August 1966, wurde der kleine Klas unehelich geboren!

Wie auch immer, alle diese Musiker scheinen, so oder so, ihre Einflüsse hörbar hinterlassen zu haben! Als die Mutter vor zwei Jahren starb, offenbarte sie dem Jungen endlich dieses Geheimnis.

Und übrigens: Keine 'heiße Luft', die Substanz ist vorhanden, die Stücke wachsen mit dem Hören gar noch, so durchdacht und fein arrangiert sind sie, stets entdeckt man neue Nuancen. Nicht immer überzeugend hingegen ist der Sologesang Qvists, ein wenig mehr Ausdrucksstärke und Sicherheit im Vortrag sollte er noch lernen!


Klas Qvist (lead & backing vocals, acoustic & electric guitars, bass guitar, mandolin, accordion, autoharp, grand piano, Hammond organ, harpsichord, mellotron, pump organ, e-bow, drums, percussion, handclaps)
Annika Larsen (recorder, tinwhistle, backing vocals)
Kim Gunneriusson (drums, percussion, footsteps, syntheziser)
Mikael Körnemark (trumpet)


01:For Citizen A
02:That Same Old Sun
03:Badfinger
04:The Wolrd Turns Without Me
05:She Says
06:Sometime In September
07:Not Enough Time
08:Practically Over Now
09:Inbetweener
10:Nobody Owns Her
11:A Scoundrel's Return
12:Have you Taken Your Medicine?
13:Stichy's Tune
14:A Soft Farewell
15:Flight Song
16:Lullaby

Wolfgang

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